Timeout in Damaskus

Die erste Woche mit ausgedehnten Stadterkundungen zu Fuss, einer Rangliste der besten Kebaps am Souq Bab Touma, 45 Grad im Schatten, Arabisch Intensivkurs und den langen Nächte mit einer Wasserpfeife beim Geschichtenerzähler forderten ihren Tribut. Rücken kolabierte. Bauch evakuierte. Kopf explodierte. Die Lonleyplanet Selbstdiagnose ist Travellers Sickness, zu der auch der Arzt nicht mehr hinzufügen konnte. Kriegt man wenn sich der Körper nicht anklimatisieren konnte. Oder man das Gefühl hat in der Landessprache Gott sei Dank zu sagen, ist der Anklimatisierung genüge getan. Alle Erkundungen der ersten Stunde liegen vor meinem Zimmer, worin ich verkrochen mit meinem Ventilator das Bett hüte.

Die Zeit steht still und ich nutze den Moment um die arabische Sprache ein wenig zu erklären. Arabisch wird im Gegensatz zu allen mir bekannten Sprachen von rechts nach links geschrieben und gelesen. Das arabische Alphabet hat 28 Buchstaben. Dass sich darunter nur 3 Vokale befinden macht das lesen für europäische Zungen relativ schwierig. Für Anfänger werden deswegen die Wörter durch zusätzliche Symbole über den Buchstaben vokalisiert, damit auch die “versteckten” Vokale ausgesprochen werden. In Zeitungen sucht man diese Vokalisierungen jedoch vergeblich. Ein weiteres Problem ist die Schreibweise der Buchstaben. Geschrieben wird ein Buchstabe anders wenn er am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes steht. Das Schriftbild ist mit den strickt graden Verbindungen, den geschwungenen Endungen, den Bögen, Kreisen und Punkten fremd und wunderschön. Ein fehlender Punkt kann aus einem t ein n, eine Verbindung zu viel aus einem a ein l machen. Tricky Sache. Da der Islam die Abbildung des Menschen untersagt, hat sich die morgenländische Kunst vor allem auf die Schrift konzentriert und in der Kalligraphie ihre Perfektion gefunden. Um unsere Kralle ein wenig zu glätten, werden auch wir ein oder zwei Stunden von einem Meister in dieser Kunstform unterwiesen werden.
Ich lerne hier in Damaskus Hocharabisch, wie ich es auch in Kairo, Dubai oder Bagdad lernen könnte. Jedes Land spricht und schreibt zum Teil aber einen eigenen Dialekt. Die Situation ist wie in der Schweiz mit dem Hochdeutschen als Schulsprache. Das Problem liegt in den riesigen Unterschieden der Dialekte. Ein Marokkaner und ein Libanese würden wohl französisch miteinander sprechen.
In die Tiefen arabischer Grammatik bin ich noch nicht eingetaucht, habe aber schon zwei spezielle Gegebenheiten gefunden. Der Araber verwendet nur Plural wenn er von der Anzahl 2 bis 10 spricht. Ab 11 bis unendlich wird nicht mehr in der Mehrzahl gesprochen, sondern wieder Singular verwendet. Ein anderer Klimmzug für die Hirnwindungen ist, dass für männliche Sachen und Tiere im Plural Adjektive immer weiblich und Singular angeglichen werden. Das kann man zwar lernen und akzeptieren aber verstehen?

Nächste Woche geht es hoffentlich genügend anklimatisiert wieder ins Getümmel!

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Mein Zimmer in Bab Touma

~ von toebbi am Juli 26, 2008.

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