Ankunft in Damaskus

Vom Blau des östlichsten Zipfel des Mittelmeers zum Weiss der libanesischen Bergketten bis zum Braun der syrischen Wüste erstreckte sich der Anflug auf Damaskus. Einreiseformalitäten dauerten dank bereits ausgestelltem Visa im roten Pass und einem scheinbar arabisch klingenden Namen [¿naif?] rekordverdächtige fünf Minuten. Gepäck geholt und in der Empfangshalle stand auch schon meine Lehrerin für die nächsten drei Wochen. Sie brachte mich mit ihrem Auto zu meiner Gastfamilie ins christliche Viertel, welches nach dem östlichen Stadttor Bab Tuma benannt ist und am Rande der Altstadt liegt. Ihr Name ist Hannah, spricht sehr gut deutsch und ist Muslimin. Sie sehe jünger aus als sie ist und unterrichte schon 10 Jahre an der Schule ihres Bruders, antwortete sie auf meine Bedenken zu ihrem Plan mich in drei Wochen in die fortgeschrittenen Gruppe zu bringen. Ausserdem freue sie sich jedes Mal über schweizer Studenten, da die unkompliziert und schnell im Verständnis seien. Aha. Auch sie erkundigte sich ob ich meinem Namen nach Araber sei. Natürlich!

Shadi und Anna zusammen mit ihren Kindern Ahmud (4) und Annabelle (1) sind meine Gasfamilie. Sie wohnen untypisch für lokale Verhältnisse alleine und ohne erweiterte Familie in einem weissen Haus mit Innenhof den engen Gassen des Quartiers entlang. Die Innentreppe rauf und mein Zimmer liegt auf den Dächern des Altstadtlabyrinths. Vis a vis hat eine bereiste Belgierin ihr Zimmer. Sie kennt die Region und gab mir schon Tipps für Wochenendausflüge nach Petra und Amman in Jordanien und Beyrouth im Libanon. Alles mit Bus in circa 6 Stunden erreichbar.

Mein erster Rundgang durch die Altstadt zur Omajaden Moschee, welche nach Mekka und Medina die drittwichtigste Kultstätte des Islams ist, zum Souq al Hamidiyyeh, der grösste Markt von Damaskus und um die Stadtmauern aus römischer Zeit war für mich der definitive Eintritt in diese neue alte Welt. Mark Twain schrieb über Damaskus in The Innocents Abroad: “Go back as far as you will into the vague past, there was always a Damascus … She has looked upon the dry bones of a thousand empires and will see the tombs of a thousand more before she dies.” Die uralte Geschichte spürt man in den Maueren die Gelassenheit in den Menschen.

Essensuche ist für mich erstmal das grösste Abenteuer hier. Erstens verstehe ich niemanden und zweitens kenne ich keine hiesigen Gerichte. Mit Fingerzeichen, frenglish und viel Shukran Shukran (Danke Danke) erkämpfe ich es mir jeweils. Der Triumph dann etwas in den Händen zu halten ist perfekt und die Freude wenn es schmeckt enorm! Ich habe auch schon ein schönes Cafe mit Wireless Internet gefunden, wo ich nun noch meine Wasserpfeife fertig rauchen werde. Morgen geht es zum ersten Mal in die Schule.

SyrDam0301

Hauptplatz mit Moschee und Souq-Eingang der Altstadt

~ von toebbi am Juli 19, 2008.

2 Antworten to “Ankunft in Damaskus”

  1. Hallo :-)
    Habe gerade zufällig Deinen Blog entdeckt und bin neugierig geworden. An welchem Institut lernst du denn Arabisch? Ich werde im Oktober einen Arabisch-Kurs an der Universität Damaskus beginnen und suche verzeifelt Leute, die schon in Damaskus sind.

  2. Bei dir hört es sich wieder total nach Abenteuer an. Wenigstens bei dir und ich kann es lesen und so fühlen als wäre ich mit dir. Ein sanfter Kuss auf deine Wange, mit einem Hauch englischer Meeresluft soll zu dir kommen. Für dich, von mir. Für uns.

Einen Kommentar schreiben