Blogging und was wir alle wissen

Blogging kann nur unbefriedigend sein. Wir wissen ja um die wichtigsten Dinge und tun nichts dagegen:

Wir wissen alle wie der Golfstrom, a.k.a. Weltklimaregler, sich umgekehrt proportional zu den Verkaufszahlen von Coca Cola verhält. Eines steigt ins Unermessliche und eines verschwindet ins Unvermutbare. Trotzdem brettern wir, schwarze Flüssigkeiten in Magen und Tank, mit Maximalgeschwindigkeit der scheinbar ersehnten Eiszeit entgegen. Cola schmeckt uns ja auch mit Eis am Besten. Ein Schuss Rum und fertig ist der Cuba Libre. Dabei können wir uns das verzerrte und selbstzerstörerische Geschichtsbild der Kubaner vor Augen führen. Zuviel Cuba Libre, Golfstrom weg, Karibik Weg, Kuba Weg – nichts mehr mit Cuba Libre! Also besser noch ein bisschen Castro.

Wir wissen auch alle wie unangenehm es ist unter Schulpulten, zwischen den Tischreihen in überfüllten Studiensälen oder auf Klospülungen von öffentlichen Toiletten ausgespuckte und angewucherte Kaugummis zu finden. Trotzdem kommt es sehr wenigen Menschen in den Sinn Kaugummis dezent in eine unsere Medienlandschaft wie Moos und Flechten überwuchernde Gratiszeitung einzuwickeln und über den nächsten Abfalleimer in den CO2 Kreislauf zu befördern. Der Golfstrom lässt grüssen. Auch die Widerlegung der Mythen um siebenjährige Geschwüre im Magen bei versehentlichem Runterschlucken des Kaugummis konnte den halsgerichteten Rückwärtsgang nicht einlegen. Kaugummi wird ausgespuckt. Am liebsten auf die Trottoirs der Weststrasse wie mir scheint. Dazu ein Gedankenexperiment: Wenn jeder Schweizer pro Woche 3 Quadratzentimeter Kaugummi ausspuckt, könnten wir innerhalb von 18 Monaten ganz Liechtenstein zukleben. Gebührend aufsummiert, liesse sich diese Taktik wohl auch zum neokolonialistischen Feldzug gegen die Achsel des Bösen verwenden. Wobei die hochaufragenden Minarette ein elastisches Problem darstellen könnten. In Theran, sozusagen dem Schlüsselbein des Bösen, ragen zwei 230 Meter Dinger in die Luft. Das wird für das Konsumverhalten von Amerikanern aber kein Hindernis darstellen. Bei einem eventuellen Kräftemessen, man erinnere sich an die Kubakrise, würde Russland den Rüstungswettlauf mit staatlich verordnetem Kaugummi Essen und China mit der “Nicht weniger als ein Kaugummi am Tag” Klausel vorantreiben. Kapitalismus, Kommunismus oder eben der bilaterale Weg, der generell die andern Kauen lässt. 

Ebenso wissen wir alle in der Rolle von neurotischen Kulturpessimisten um den Zerfall der Qualität. Ich möchte mich gar nicht so genau auf einen Bereich festlegen. Qualität im Allgemeinen und Kultur im Speziellen. Kein Dach ohne Fundament. Wie soll sich Kultur qualitativ auch entwickeln, wenn man ihr Subventionen an die Rezeptoren hängt? Der Vergleich mit einem Marihuanatrip drängt sich mir auf und “Geld macht faul” hat Karl Marx nicht gesagt – hätte aber gepasst und dürfte im Kontext wohl so verstanden werden. Dabei kann man eine interessante Entwicklung beobachten. Quantität ist der Qualität Grab. Wobei das Interessante dieser Entwicklung nicht in der trivialen und logischen Verständlichkeit der Erkenntnis liegt, sonder in folgender Konklusion:

Wir erkennen und verstehen diese der Qualität entgegengesetzte Entwicklung einerseits als Problem, andererseits katalysieren wir sie jedoch indem jeder Schildbürger weltbewegende Ereignisse individuell konkret seinen Mitbürgern offenbart. Jeder will ein Stück vom Kuchen und gibt seinen Senf dazu – eindeutig Geschmacksache. So wenden wir uns an uns selbst: Wer will denn schon seriös recherchierte und objektive Hintergrundinformationen, wenn man im Gegensatz alkohol- und kaugummitriefende (Sex und Religion habe ich hier mal ausgelassen) Subjektivitäten geniessen kann. So entsteht der Untergang!!! 

Und es befriedigt doch …

~ von toebbi am Juni 23, 2008.

Eine Antwort to “Blogging und was wir alle wissen”

  1. … und Ihr seit herzlich eingeladen hier das Eure beizusteuern.

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