Die erste Station unserer Reise ist Maalula in der Nähe von Damaskus. Ein Mosaik aus braunen Sandsteinhütten und weiss getünchten Häusern schmiegt sich an den roten Fels, der das Bergdorf umschlingt. Hier wird noch heute Aramäisch, die Sprache Jesus, gesprochen. Eine eng geschwungene Echoschlucht verbindet die zwei Felskloster des Dorfes. Nach einer morgendlichen Teepause (schwarz, süss, stark) geht es nach Hama weiter, wo die römischen Wasserräder drehen. Diese haben früher die Stadt über ein ausgeklügeltes Kanalsystem mit Wasser aus der Oase versorgt. Regelmässig werden die dunkelbraunen Monster restauriert, damit die Anwohner des alten Stadtviertels das ewige Surren, Quietschen und Knarschen des feuchten Holzes nicht vermissen müssen. Von Hama aus ist es nicht mehr weit nach Aleppo, der zweit grössten Stadt von Syrien im Norden des Landes. Der Anteil der Christen ist hier geringer, schwarz verschleierte Frauen sieht man deutlich mehr. Bekannt ist die Stadt für ihren riesigen Souq (Markt). Mehr als zwei Kilometer schlängeln sich die niederen Gässchen orientierungslos um unzählige Ecken. Stoffe, Gewürze, Fleisch, Krimschkramsch, Esel, Tücher, Gold und Früchte sind wahrscheinlich nur Bruchteil dessen, was man hier alles finden kann. Das bekannteste Produkt ist die aleppische Seife, die bei den damaszener Frauen sehr beliebt ist und ich bei meinen Besuchen im Hamam (Badehaus) schon benutzt habe. Rauchighell, stickigparfumiert, gedrungenweit verliert man sich in diesem Souq. Der schönste Ort in Aleppo ist jedoch die riesige Zitadelle. Eine der wenigen die dem Ansturm der Kreuzritter stand gehalten hat. Ein ausladender Graben umzieht das mächtige Gebäude, welches nur über eine Brücke betreten werden kann. Drei Tore schützen die Zitadelle. Sie sind hintereinander jeweils im rechten Winkel zueinander gebaut, um nicht von einem Rammbock gesprengt zu werden. Im Inneren der Zitadelle befindet sich ein Theater, zwei Moscheen ein Thronsaal und diverse Gebäude durchzogen von kleinen Gängen, die alle der hochgelegenen Aussichtsplattform in der Mitte zustreben. Hier wacht ein Minarett über die Stadt, deren graues Ende im Dunst des Horizontes verschwindet. Syrien hat wegen der unsicheren politischen Situation sehr wenig Tourismus aus Europa und Asien und da nach wie vor Teil der Achse des Bösen noch weniger aus Amerika. Die meisten Besucher kommen von der arabischen Halbinsel. Wenn man sich in eines der sonnengeschirmten Strassencafes setzt, dann benachbart mit Backgammon spielenden Grossvätern, Männern in langen weissen Gewändern und roter Kufia beim Kaffee trinken und Shisha rauchenden Jugendlichen. Angebrannte mit Reiseführer und kurzen Hosen sind die Ausnahme. Nach dem Abendessen zogen wir für einen Verdauungswhiskey zum Baron, dem bekanntesten Hotel von Aleppo. Hier hat Agatha Christie den Mord im Orientexpress geschrieben, als ihr Mann mit Ausgrabungen Syrien beschäftigt war. Ausgestellt ist auch eine offene Rechnung die Lawrence of Arabia hier hinterlassen hat, dieser alte Zechpreller der.
Am nächsten Morgen reisten wir südlich von Aleppo weiter zu den Totenstätten. Das Kloster in Qala’at Saaman wo der heilige Simon auf seiner Säule ausgeharrt hat ist eine davon. Gesäumt von Olivenhainen liegt der heilige Ort auf einem Hügel, umringt von karg felsiger Steppenlandschaft und der Blick reicht bis in die Türkei. Teepause und wir fahren weiter in den Osten des Landes in Richtung Palmyra. Die vorbeiziehende Landschaft wurde immer karger je später die Uhr anzeigte. Wir fuhren in die Wüste und zum Sonnenuntergang erreichten wir ein Schloss, welches auf seinem Hügel das gesamte umliegende Gebiet inklusive der Ausgrabungen von Palmyra überschauen kann. Unter uns erstreckte sich eine matte, gewellte, rot getünchte Decke aus Sand bis zum Horizont, wo langsam ein grosser Feuerball verschwand und ein blasses violett zurückliess. Palmyra war eine kleine Oasenstadt bis Archäologen vor circa 70 Jahren gemerkt haben, dass die Wände der Häuser zum Teil viele hundert Jahre alt sind. Die Bevölkerung wurde umgesiedelt und unter Metern von Sand wurde eine gigantische, römische Wüstenstadt ausgegraben. Mehrere grosse Tempel, Theater, ein zentraler Marktplatz, verschiedene Säulengänge, und die Via Recta, die alles verbunden hat, kamen nach Jahren der Dunkelheit zum Vorschein. Bis spät in die Nacht sind wir durch die gewaltigen Ruinen mitten in der Wüste gestreift, haben den kühlen Wind um die Handgelenke und die Anmut der Momente genossen. Am nächsten Morgen haben wir ausserhalb von Palmyra die Wüstengräber der reichen Familien besucht. Die einen liegen in hohen Türmen, welche wie Obeliske verloren zwischen den sanften Hügel hervorstechen, die anderen sind in unterirdischen Hallen begraben. Da Palmyra eine Oase ist, haben sich verschiedene Beduinen einen kleinen Swimmingpool gebaut. Bei einem haben wir unter einer schattigen Pergola auf Kissen gegessen und danach zwischen Wüste und römischen Tempeln eine nachmittagliche Badesession eingelegt. Der Rückweg nach Damaskus führt wiederum durch die Wüste, welche ebenfalls die fliessende Grenze in den Irak darstellt. Über Jebel Qassiun, den Hausberg von Damaskus, erreichten wir die Stadt. Unter uns das Lichtermeer, wo überall die grün beleuchteten Minarette hervorstechen. Nächstes Wochenende wollen wir sehen, wo die jungen, schönen und reichen Party machen in Damaskus …














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